30.10.2013
Mode-Handel Wien

Vom Modehändler zum Sinnpionier

Kunden achten verstärkt auf die Produktionsmethoden und setzen wieder mehr auf Handwerk – das ist das Ergebnis der Trendstudie zum Modehandel in Wien der KMU Forschung Austria in Zusammenarbeit mit dem Zukunftsinstitut Österreich.

Auch wenn heute bereits jedes zweite Wiener Modehandelsgeschäft von Modehandelsketten betrieben wird, haben die 1.680 Wiener Mode-Läden und ihre 22.600 Angestellten mit 2 Mrd. EUR Gesamtumsatz pro Jahr haben einen großen Anteil an der Gesamtwirtschaft. Auch die Eigenkapitalquote und damit die finanzielle Unabhängigkeit ist höher als bei kleinen und mittleren Unternehmen anderer Branchen. Verändertes Kaufverhalten und neue Vertriebskanäle stellen auch den erfolgreichen Wiener Modehandel vor neue Herausforderungen. Dennoch sieht Helmut Schramm, Obmann des Landesgremiums Wien des Einzelhandels mit Mode und Freizeitartikeln, trotz steigender Online-Umsätze, Chancen für stationäre Händler, die auf Beratung setzen und ihr Umfeld (Grätzl) nützen, um mit Straßenfesten und Events Kunden anzulocken. „Wissen was will der Kunde und es ihm bieten“, fasst Schramm das Erfolgsrezept vieler Händler zusammen.

Der Konsum hat in den letzten 50 Jahren einige Veränderungen erfahren. „War er in den 60er Jahren vor allem bedarfsorientiert, so wurde er in den 70er und 80er ein statusorientiert. In den letzten Jahren stand vor allem das Erlebnis beim Shopping im Vordergrund. Beim Konsumenten von heute steigt das Interesse an sinnhaftem

Konsum. Produktqualität, Fair Trade und Nachhaltigkeit gewinnen dabei immer mehr an Bedeutung. Das Vertrauen zum Händler ist da wichtig“, sagt Thomas Huber vom Zukunftsinstitut Österreich. Und hier hat der stationäre Einzelhandel dank persönlicher Betreuung durch geschulte Mitarbeiter auch die Nase vorne gegenüber dem Online-Handel. Motivierte und kompetente Mitarbeiter sind ein wertvolles Asset im Wettbewerb um den Kunden. Darüber hinaus kann der stationäre Handel seine Ware auch zelebrieren und in Szene setzen und damit den Kunden zum Kauf verführen. Auch eine „Kulisse“ wie die, welche die Stadt Wien bietet, ist ein nicht zu unterschätzender Faktor.

Der Schuh- und Lederwarenhandel erlebt eine Renaissance des Handwerks und der Qualität vergleichbar der Entwicklung, die im Lebensmittelhandel bereits seit vielen Jahren stattfindet. Transparenz wird zum Kaufargument im Bekleidungshandel, der Sporthandel punktet vermehrt mit Technologie. Die Lust am selbstgemachten steigt wieder wie auch die zahlreichen „Do it yourself“-Anleitungen im Buchhandel und auf Internetportalen belegen. Davon profitiert auch der Handel. Kleine Händler, die Maßanfertigungen und Customizing anbieten, würden wieder verstärkt Chancen  haben, so die Studienautoren.

www.wko.at/wien/mode-freizeitartikel-eh

rhu